Wünschen
Mein Weg 42. Teil
Richtig oder Falsch
Glück und Gesundheit
Gründe dagegen
Ostern ist vorbei. Ich hoffe, Sie haben einige wunderschöne Tage verbracht. Ohne Stress, dafür mit viel Kochen und Backen für die Familie, die sich nach Weihnachten wieder in voller Zahl getroffen hat. Dass Sie von diesen Tagen „zehren“ können bis zu den nächsten Feiertagen, die wieder genauso schön werden sollen, und Sie viele gute Wünsche erhalten.
Vielleicht haben Sie bald Geburtstag oder Namenstag, haben eine Prüfung bestanden oder müssen ansonsten bis Weihnachten warten, bis Ihnen wieder jemand Gesundheit, Glück und Erfolg wünscht.
Sie wünschen sich, dass das Wetter besser wird, dass Sie bald in den Urlaub fahren können oder dass sich Ihr Leben von selbst verändert. Sie wünschen sich, dass eine gute Fee kommt und all das, was Sie im Leben ausblenden und nicht sehen wollen, wegzaubert.
Einige Leserinnen und Leser werden den Auftakt dieses Artikels als etwas hämisch und ironisch empfinden. Wenn dem so ist, dann sind sie mit genau diesem Thema in Resonanz gegangen.
Ich habe mir Gedanken über das Wünschen gemacht, wie so oft, wenn ich zur Ruhe komme. Dann hinterfrage ich unsere Worte und Sätze. Bei uns war Ostern freudig und ruhig. Wie immer an solchen Tagen stellte sich die Frage: Schenken oder nicht? Wenn ja, was? Ich habe einige Kuchen ausprobiert, die im Internet vorgebacken wurden, einer davon war ganz sicher ein Fake und ist mir überhaupt nicht gelungen. Die anderen beiden sorgten für Bewunderung, weil sie so aussahen, als seien sie sehr kompliziert. Meine Schwester hatte die ganze Familie eingeladen und verschiedene Gerichte gekocht, damit alle auf ihren Geschmack kamen. Es war ein Traum und allen hat es geschmeckt. Ich spürte ihre Anstrengung, die sie schon Tage zuvor mit der Überlegung, dem Einkauf und dann dem Schnippeln und Kochen gehabt hatte. Irgendeiner bleibt immer auf der Strecke.
Ich habe liebevolle Karten bekommen und es gab Anrufe. Über die App wurden außerdem gute Wünsche in Form von niedlichen Hasen- und Kükenbildern mit bunten Frühlingsblumen verschickt. Das hat mich sehr gefreut und meine Gefühle tanzten im Sonnenschein. Doch dann bemerkte ich, dass es die Bilder und Farben sind, die das bewirken. Die Worte habe ich schon oft gelesen. Was bewirken sie in mir? Diese Frage habe ich auch in die Runde gestellt.
Es wurden Wünsche wie Gesundheit, Glück, Zufriedenheit, Freude, Erfolg, nette Begegnungen, ruhige Stunden und vieles mehr geäußert.
Positiv wirken die Worte und Synonyme: erhoffen, ersehnen, erträumen, wollen, erbitten, erwünschen, mögen, erstreben, Herzenswünsche.
Negativ besetzt sind oft Worte wie begehren, verlangen, vermissen, erwarten, fordern, schmachten, lechzen.
Wünschen wir einfach aus Gewohnheit? Oder wünschen wir anderen das, was wir für uns erhoffen?
Die Frage ist doch: Was bewirkt der Wunsch in dem, dem er gewünscht wird? Was wäre, wenn all unsere Wünsche wahr würden? Würde sich der Bewünschte das auch wünschen? Wer wünscht eigentlich? Sind es unsere Ichs, oder kommt der Wunsch aus dem Herzen?
Da sind wir ganz dicht bei einem Satz, der in Familien sehr oft fällt: „Ich will nur dein Bestes.“ Wer kann schon wissen, was wirklich das Beste für den anderen ist? Außerdem ist das ein zweideutiger Satz. Doppeldeutigkeit (Ambiguität) wird im Humorbereich ganz bewusst angewandt. Zudem gibt es im Sprachgebrauch Wörter, die ganz verschiedene Bedeutungen haben. Wir haben gelernt, sie richtig einzusetzen, und der Leser kann aus dem Satz herauslesen, was gemeint ist. Das Wort „Kiefer” kann sich auf den Kieferknochen oder den Baum beziehen.
Zurück zu dem Satz: „Ich will dein Bestes.“ Wenn mir heute jemand diesen Satz sagen würde, wäre meine Antwort: „Nein, mein Bestes, was immer es ist, möchte ich selbst behalten.“ Der Wünschende wird zum Dieb und der Bewünschte zum Opfer.
Was ist aber, wenn mir jemand Erfolg wünscht? Ist es nur so dahergesagt, weil man das eben so sagt? Wird dieser Satz aus Gewohnheit oder aus Routine ausgesprochen? Kommt er von Herzen? Von Gefühl zu Gefühl?
Wie geht es mir dabei? Bin ich betroffen, weil ich denke, dass der andere glaubt, ich sei nicht in der Lage, Erfolg selbst zu erreichen?
Vielleicht wünschen sich meine inneren Anteile beziehungsweise meine Ichs Erfolg, verbieten ihn mir aber gleichzeitig.
Vielleicht hat mein Unterbewusstsein in meiner Kindheit verankert, dass ich keinen Erfolg haben darf. Dafür gibt es mehrere Gründe.
– Weil meine Eltern keinen Erfolg hatten.
– Ich darf nicht besser sein als meine Eltern.
– Meine Eltern wünschten mir keinen Erfolg, damit ich abhängig bleibe und sie mich für sich haben.
– Als ich meine Prüfung bestanden habe, ist meine Oma gestorben (andere geliebte Menschen, Haustiere). Erfolg und Tod verschmelzen im Gehirn- und Körpergedächtnis.
– Als Kind habe ich ein schönes Bild mit Wachsmalkreide auf der weißen Tischdecke gemalt. Meine Mama beachtete das Bild jedoch nicht, sondern tobte wegen der bemalten Sonntagstischdecke. Mein Unterbewusstsein hat einen Glaubenssatz gebildet, um mich vor weiteren Enttäuschungen zu schützen, und mir eingeprägt, dass alles, was ich tue, nicht gut ist. Für mich gibt es keinen Erfolg.
All diese Beispiele und viele mehr kann man auch auf Glück und Zufriedenheit übertragen.
Bei meinen Aufstellungen konnte ich Folgendes beobachten: Ich stellte die Person auf, die sich Glück und Erfolg wünschte, und ihr gegenüber stellte ich Glück, Zufriedenheit, Erfolg, Gesundheit und Freude. Die Reaktion war bei allen gleich: Stirnrunzeln, Schultern hochziehen, Kopf zwischen die Schultern ziehen, Brustkorb einziehen und den Blick auf den Boden senken. „Um des Himmels Willen, was stellt die da Verbotenes auf?“ Oft kam noch ein Kopfschütteln und ein langsames Zurückgehen in eine der vier Zimmerecken hinzu. Leise vor sich hin wurde „Nein, nein, nein“ gesagt, so wie es Kleinkinder tun, wenn man ihnen etwas strikt verboten hat und sie noch nicht verstehen, warum sie das nicht tun dürfen, es aber doch ausprobieren wollen. Sie haben (Todes-)Angst vor der Strafe, dem Ausgeschlossenwerden, wenn sie es tatsächlich wagen würden.
Zur Todesangst eine wichtige Anmerkung, die uns besser verstehen lässt. Es geht nicht wirklich um den Liebesentzug, den wir als Erwachsene oft beklagen, sondern um das Ausgeschlossenwerden. Es ist ein Urgefühl aus der Zeit, als wir noch im Kral wohnten. Wenn wir damals ausgeschlossen wurden, dann verhungerten oder verdursteten wir, oder wir wurden vom Säbelzahntiger gefressen. Diese archaischen Gefühle tragen wir immer noch in uns, und sie schlagen Alarm, wenn wir wieder ähnlichen Gefühlen ausgesetzt sind.
Mit dem Wünschen ist das so eine Sache. Wenn sich die Ichs etwas wünschen und es gleichzeitig verbieten, werden wir traurig und unsere Glaubenssätze sagen: „Siehst du, hatte ich doch recht. Erfolg ist nichts für dich.“ Würden wir uns etwas von Herzen wünschen, gäbe es keinen Zweifel, wir würden nicht mit den unbewussten Schwüren in Resonanz gehen und keinen Trigger spüren müssen.
Andererseits hat mich die Erfahrung gelehrt, dass das Herz gar nicht erst anfängt zu wünschen, sondern dass es uns handeln lässt. Es wartet nicht auf das Endergebnis und nennt es Erfolg, sondern es lässt uns Freude am Tun haben und es gelingt uns, was gerade ansteht. Und wenn es eine Prüfung ist oder ein Projekt, das von Tag zu Tag immer größer wird. Einfach so, weil wir Freude haben und uns dabei glücklich, ausgeglichen und zufrieden fühlen.

Ich möchte den Menschen dort abholen, wo er steht, ihn ein Stück begleiten, damit er selbstständig weitergehen kann.