Unterdrückung

Mein Weg 47. Teil

Unterdrückung macht krank

Sie verbraucht viel Kraft

Unterdrückung macht schwelenden Stress

Unterdrückung war das Thema bei einer meiner letzten Beratungen mit meiner Klientin. Wir analysierten die Machtausübung in der Familie, insbesondere in der Ehe. Denn die Klientin hatte sich einen Mann ausgesucht, der genau das tat, was sie bereits von ihrem Vater gewohnt war. So konnte sie gar nicht bemerken, dass sie weiterhin unterdrückt wurde. Ein Fisch weiß auch nicht, dass es Luft gibt. Er kennt nur seine Umgebung, sein Lebensraum ist das Wasser.

Während meiner Akupunkturausbildung merkte ich, wie aggressiv ich wurde, als unser Lehrer den Leberpunkt 3 sehr ausführlich diskutierte. Er beschrieb ihn so genau, wie mich einst ein Psychopath manipulierte. „Bist du sicher, dass du das tun willst, was du gerade vorhast? Du doch nicht. Du überschätzt dich aber so sehr, du wirst auf die Nase fallen. Das möchtest du doch eigentlich gar nicht machen. Du weißt selbst, dass du dazu gar nicht fähig bist …“

Das hatte unendlich viele Stellen in mir getriggert. Ich war froh, als wir den Leber-3-Punkt beidseits nadelten, der ein Hauptpunkt für dieses Symptom ist. Eine riesige Verspannung im ganzen Körper fiel damals von mir ab. Den Punkt habe ich nie wieder vergessen. Ich behandle ihn öfter. Vor allem brauchte ich ihn auch vielfach bei meinen Klientinnen und Klienten.

Dieses Verhalten, Menschen in unserer näheren Umgebung zu manipulieren und zu unterdrücken, führt nämlich dazu, dass wir eine Leber-Qi-Stase bekommen. Dieser Zustand wird auch als Niedergeschlagenheit oder sogar Depression bezeichnet. Es geht hier um Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl, die andere Personen niederhalten, um sich selbst größer zu fühlen.

In der Beratung sind wir nicht auf politische Unterdrückung oder Zensur eingegangen. Wir blieben in der Familie und dem näheren Umfeld.

Wenn wir uns Unterdrückung nicht entziehen können oder aus Loyalität zu unseren Eltern nicht entziehen wollen, schränkt das unsere eigene Meinung enorm ein.

Das kostet unendlich viel Kraft.

Ich möchte hier nicht auf meine Klientin eingehen, denn das wäre am Ende auch eine Art Unterdrückung und vor allem ein Vertrauensbruch.

Meine eigenen Geschichten liefern genug Beispiele. Fangen wir gar nicht erst damit an, dass meine Mutter mich gar nicht wollte, sondern damit, dass mein Vater lieber einen Sohn gehabt hätte als eine Tochter. Er wollte einen Helfer und Nachfolger für den Bauernhof. Als Vierjährige sehe ich mich im Futtergang stehen. Unser Nachbar fragte mich, was ich werden wollte, und ich antwortete ihm mit festem Ton: „Bauer“. Ich beobachtete den stolzen, zustimmenden und freudigen Ausdruck im Gesicht meines Vaters. Dafür hatte es sich gelohnt, zu lügen. Mein Körper reagierte damals schon mit ständigem Husten und Bronchitis darauf.

Oft saß ich auf unserem Fliederbaum und unterhielt mich mit ihm. Da konnte ich sein, wie ich wollte. Bis meine Mutter in den Garten kam, mich hochdeutsch reden hörte und mich barsch zum Schweigen brachte: „Hörscht du uf, so schwätzt man net. Willsch du a zu de Großkopfede, Neigschmeggde köhre?“ Sie konnte das so ekelhaft betonen, dass ich verstummte.

Oft ist mir herausgerutscht, was ich empfand oder energetisch sehen konnte. Dann bekam ich von meiner Mama ein paar Schläge auf den Hintern mit den giftig ausgespuckten Worten: „Bisch du still. Des giiibt es net. Net in unserem Dorf. Du schbinnsch widder. Des will ich nimmer von dir höre.“

Die Schläge waren nicht schlimm, aber das Nicht-mehr-mit-mir-reden und Nicht-mehr-beachten danach war tödlich. Heute weiß ich, dass es eine sehr harte Strafe ist, denn es ist vergleichbar mit dem, was wir vielleicht im Vorleben schon erlebt haben, als wir vom Kral ausgeschlossen wurden und verhungern mussten oder vom Säbelzahntiger gefressen wurden. Todesangst! Das war eine enorme Einschüchterung und Demütigung für ein Kind. Ich habe gelernt, in der Öffentlichkeit keine eigene Meinung haben zu dürfen. Also übte ich mich in Unterdrückung.

In den Sommerferien war ich für das tägliche gründliche Putzen der Wohnküche eingeteilt. Hinter zugeklappten Fensterläden wusch ich das Geschirr, putzte die Schränke, schruppte den Kohlenherd und wischte den Boden.

Es war kalt im Raum und durch die Ritzen der Fensterläden beobachtete ich das sommerliche Treiben draußen. Die Jugendlichen aus dem Dorf gingen lachend an unserem Haus vorbei, in Badeschlappen und mit Luftmatratzen, um zum kleinen Dorfweiher zu gehen. Es tat weh, nicht dabei sein zu können. Meine Strategie, um das zu unterdrücken, war, mir vorzustellen, dass ich das gar nicht machen möchte. Das gelang mir immer besser. Außerdem drehte ich die Schlagermusik lauter – einen anderen Sender durfte man nicht einstellen – und tanzte frei, so wie ich wollte. So war ich woanders und vergaß, dass ich gerne mit den Bekannten im Dorf schwimmen gehen und mich sonnen wollte. Das führte dazu, dass ich meine Emotionen und Wünsche zurückhielt.

Als ich für die Krankengymnastikschule sparte, die meinen Eltern ein Dorn im Auge war, verzichtete ich samstags aufs öffentliche Tanzen in unserem Wirtshaus. Stattdessen sah ich mir zu Hause schwarz-weiße Hitchcock-Filme an. Oder ich fing an, Kuchen zu backen. Dabei durfte ich, wenn auch eingeschränkt, meiner Fantasie freien Lauf lassen.

Später in meinem Beruf war es ähnlich. Ich hatte eine Ausbildung in Reflexzonentherapie am Fuß gemacht und konnte damit sehr vielen Menschen helfen, denn dieses Wissen ging weit über die Massage hinaus. Schließlich waren es die Ärzte, die mir mit ihrer enormen Macht diese Therapie verbieten wollten. Das sei Humbug, meinten sie.

Die Krankenkassen drohten mir, mir die Zulassung für meine Praxis zu verbieten, wenn ich die Füße weiter behandle, statt die Schulter direkt mit Krankengymnastik zu beüben. Mein Argument, dass ich mit den Reflexzonen der Krankenkasse Geld einsparen könnte, wurde mit „Um das geht es nicht“ abgetan. Das wiederum konnte ich nicht in mein Behandlungskonzept einordnen.

Offensichtlich hatte ich meinen Beruf falsch verstanden.  Außerdem bräuchte ich für diese Therapie eine Heilpraktikerausbildung, denn die Reflexzonentherapie am Fuß hat eine heilende Wirkung. Sie wurde von den Ärzten als Humbug verboten und mir als Physiotherapeutin von den Krankenkassen verboten, weil sie heilt. Es ging um Einschüchterung. Das war starker Tobak für meine Seele. Dazu kam die Existenzangst, wenn ich die effektive Therapie weiterführte. Ärzte drohten, meinen Patientinnen und Patienten kein Rezept mehr zu verschreiben, wenn sie weiterhin zu mir kämen.

Es wurde noch schlimmer, als ich Reiki lernte. Das Handauflegen und Heilen stieß bei meinen Patientinnen und Patienten auf Misstrauen und veranlasste sie, meine Praxis zu meiden – obwohl es vielen nach der Behandlung besser ging. Was nicht sichtbar ist, darf nicht sein. Wenn ich Reiki unbemerkt in meine „krankengymnastischen Therapien“ einfließen ließ, dann bekam ich hin und wieder zu hören: „Sie haben heilende Hände.“ Auch der Gebrauch der Bioantenne, deren Wirksamkeit sogar wissenschaftlich bewiesen ist, führte zu vielen Verboten. Allerdings wurde sie in der Pandemie dankend angenommen.

All dies führte dazu, dass ich meine Emotionen, mein Wissen, meine Fähigkeit, mich in andere hineinzuversetzen, und meine Wünsche zurückhielt.

Auch in meinem Beruf gäbe es noch viele Beispiele dafür, dass man mich gemieden, angeschwärzt, belächelt oder sogar falsche Informationen über mich verbreitet hat.

Mit den Jahren war ich ständig damit beschäftigt, meine Fähigkeiten, mein Wissen und meine Gefühle zu unterdrücken. Ich verbrachte unendlich viel Kraft dafür und bemerkte den permanent schwelenden Stress gar nicht mehr. Es wurde zu meiner natürlichen Lebensaufgabe, zu einer enormen Kraftanstrengung, um nicht wieder zurückzufallen, um intuitiv und kreativ zu werden, um die inneren Werte zu leugnen und gegen sie zu handeln. Sobald ich große Freude empfand oder mir etwas gelang, reagierte mein Körper mit Unwohlsein und Krankheit. Mein Spruch, den ich ganz nebenbei erzählte, war: „Immer wenn es mir gut geht, geht es mir schlecht.“

Das ist nur ein kleiner Teil des Themas Unterdrückung. Gut, dass es all die Therapien gibt, um deren Willen ich so viele Demütigungen, Unterdrückungen und Manipulationen aushalten musste. Ich habe sie all die Jahre in meinem Herzen getragen, nie vergessen und oft heimlich angewandt. Sie sind für viele Menschen hilfreich.Auch fürmich. Inzwischen werde ich sogar darum gebeten.