Herzenergie

Mein Weg 43. Teil

Herz-Hoch-Zeit

Wichtel

Boykotteure

Als ich für mein erstes Buch „Lösungen aus der Tiefe“, später umgeschrieben, „Denn die Gesundheit kennt den Weg“ recherchierte, wusste ich, dass es ein Buch über die Herzenergie geben sollte. Das war im Jahr 2014.

Schnell hatte ich einen Titel gefunden, den man nicht veröffentlichen sollte, bevor das Buch beim Verlag fertiggestellt ist, damit es niemand anderes klaut. Heute weiß ich, dass es dieses Buch nie geben wird. Bücher, wenn man sie selbst schreibt und keine Ghostwriter kennt, kosten nicht nur sehr viel Geld (eine höhere vierstellige Summe), sondern auch unendlich viel Freizeit, schlaflose Nächte, viel Recherche, Korrekturen, Streichen und wieder neu Schreiben. Das habe ich viermal getan. Ich hatte viel Freude dabei und habe den Stress darüber vergessen, der den Körper auslaugt. Am Ende bekommt eine No-Name-Autorin wie ich bei einem Self-Publishing-Verlag zwar zwei Euro pro Buch, verkauft aber auch nur etwa fünfzig Exemplare. Die Rechnung geht nicht auf.

In meiner jetzigen Situation möchte ich mir das nicht mehr antun. Momentan schreibe ich gerne kleine Artikel, über die ich mir zahlreiche Gedanken mache und zu denen ich viel recherchiere. Ich freue mich, wenn sie von einigen Menschen gelesen werden. Die Rückmeldungen zeigen es.

Das Buch „Herz-Hoch-Zeit” wird es also nicht geben. Ich habe 265 geschriebene Seiten auf meinem Rechner gefunden. Sie sind jungfräulich, ungeordnet und neugierig.

Ich habe beschlossen, immer wieder Abschnitte daraus zu veröffentlichen. Denn bis ich wieder ein komplettes Buch fertiggestellt hätte, hätten sehr viele Menschen auch schon über das Thema geschrieben und nach einigen Monaten würde sich niemand mehr dafür interessieren. Gute, zeitlose Bücher verschwinden in Bücheregalen oder sogar auf dem Müll. Dabei könnten sie auch nach Jahren noch hilfreich sein. An Gutes muss man nicht glauben, es wirkt.

Hier ist meine einleitende Geschichte aus „Herz-Hoch-Zeit”:

Die Wichtel

Drei Wichtel räkelten sich und streckten gähnend ihre Glieder. Sie hatten gut geschlafen und viel geträumt. Sechs Augenbrauen zogen sich gleichzeitig neugierig nach oben, während sich die Augenlider öffneten und drei Paar dunkelbraune Knopfaugen zum Vorschein kamen. „Einen wunderschönen guten Tag“, riefen sie sich unisono zu. „Was habt ihr denn heute geträumt?“, wollten alle drei gleichzeitig wissen.

Normalerweise quasselten sie fröhlich durcheinander und jeder hatte einen schöneren oder interessanteren Traum als der andere. Heute jedoch waren sie alle still und schienen zu warten, bis einer von ihnen anfing, seinen Traum zu erzählen.

Plötzlich erhoben alle drei gleichzeitig die Stimme: „Heute war mein Traum anders.“ Sie sahen sich erstaunt an. Der ältere der Wichtel mit der grünen Mütze und den nach oben spitz zulaufenden Ohren begann: „Ich hatte das Gefühl, als hätte mich ein warmes Licht umhüllt.“ „Es war sehr hell“, unterbrach ihn der Zweitälteste, reckte seine Stubsnase nach oben, warf seinen Kopf im Halbkreis nach hinten oben – um seiner Aussage Gewicht zu verleihen – und seine rote Pudelmütze wackelte dabei hin und her und fiel schließlich in den Nacken. „Es war warm und zärtlich“, schwärmte er. „Und es war achtsam, liebevoll, aufmerksam und hilfsbereit“, ergänzte der dritte, jüngste Wichtel. Er zog mit seinen kleinen Händen umständlich seine verfranzten, knielangen Hosenbeine zurecht und spielte mit seinen nackten Füßen im Moos am Waldboden. Aus Verlegenheit versuchte er, mit seinen Zehen einige Tannennadeln zu greifen, die sich in dem grünen Teppich verfangen hatten.

„Es war vorausschauend und voller Energie. Es war intelligent und offenbarte mir ein Päckchen Weisheit“, ergänzte der Älteste. „Mir auch.“ „Mir auch“, bekräftigten seine Freunde. „Es wusste alles“, flüsterte der Jüngste mit leiser, geheimnisvoller Stimme und machte dabei eine ausladende Bewegung mit seinen kurzen Wichtelarmen, als wolle er das gesamte Universum umschreiben.

Sie hatten wieder einmal im Wald geschlafen, dort, wo das Dickicht am dunkelsten war. Wichtel arbeiteten nachts und schliefen tagsüber. Nach getaner Arbeit zogen sie sich gerne in die Stille zurück.

In den letzten Jahren wurde es für sie immer schwerer, für die Menschen Wichtel zu spielen. Ihre Arbeit wurde weder gesehen noch anerkannt. Für die Menschen war es selbstverständlich geworden, dass sich das eine oder andere von allein erledigte. Die drei Wichtel beobachteten, wie die Menschen immer kälter und hektischer wurden. Sie dachten und dachten, anstatt zu fühlen. Mit den Worten „Ich“, „Hektik“ und „Stress“ beschrieben sie voller Stolz ihren Alltag. Das Wort „MEHR” gewann zunehmend an Bedeutung. Mehr sein, mehr haben wollen, mehr leisten, mehr bekommen. Eine steife, kühle Brise kündigte sich an.

Während die Wichtel sich unterhielten und ab und zu die Sonne durch das dichte Blätterwerk lugte, sahen sie, wie sich die hellen Strahlen in einer Kugel spiegelten und die drei kleinen Männchen blendeten. Es war, als wolle sich das strahlende Etwas bemerkbar machen. Sie standen gleichzeitig auf, gingen vorsichtig zu dem flimmernden Gegenstand und erkannten ihren Traum. „Es war gar kein Traum, es ist echt“, sprachen sie achtungsvoll im Chor. Der Älteste hob den Gegenstand mit beiden Händen auf und spürte, wie eine Wärme seinen Körper durchströmte. In diesem Moment wusste er alles. Es gab keinen Raum und keine Zeit.  Doch bevor er es mit seinem Verstand begreifen konnte, war das Wissen wieder verschwunden. Oder besser ausgedrückt, diese Weisheit konnte keine Übersetzung in den normalen Verstand erfahren. Seine Freunde standen staunend da und beobachteten die Veränderung des Ältesten. Seine Gesichtszüge wurden weicher. Er erschien ihnen jünger und nahbarer.

„Dieses Licht sollten die Menschen bekommen“, meinte er und übergab die warme Energie dem Wichtel mit der Stupsnase. Dieser nickte zustimmend, während seine Mütze durch das Gewicht der Bommel nach hinten und nach vorne kippte. „Das Licht wäre gut für die Menschen. Es würde sie wieder liebevoller machen. Wenn wir es ihnen jedoch in die Hände geben, machen sie es kaputt, so wie die sich verhalten! Diese Kugel der Vollkommenheit fürchten sie wie ein Vampir den Knoblauch.“ Er gab die Kugel dem jüngsten Wichtel. „Die Allwissende-Kugel-Wärme-Energie müssen wir verstecken“, bedeutete er ganz wichtig. „Die Menschen achten sie bestimmt nicht und trampeln sie am Ende noch nieder“, sagte er traurig.

Die Wichtel waren sich einig und beratschlagten, wohin sie die Kugel vor den Menschen verstecken sollten. „In die Baumwipfel“, wusste der Jüngste, „oder auf einen Berg.“ „Nein, nein“, widersprach der Mittlere, „dort klettern die Menschen hoch oder sie fällen die Bäume. Wir könnten unseren Fund in der Erde vergraben.“ Der Älteste hatte sich die Vorschläge ruhig angehört und die zweite Anregung abgelehnt. Auch dort würden die Menschen die kostbare Energie finden. „Die Menschen bohren nach Gold, Edelsteinen und Öl bis zum Mittelpunkt der Erde.“

Er ging in sich und wusste plötzlich, was zu tun war. „Wir verstecken die Energie dort, wo sie am wenigsten danach suchen. In den Brustkorb der Menschen, tief im Herzen.“ Damit waren alle einverstanden. Seit dieser Zeit tragen wir Menschen ein Mysterium in uns, das uns Angst macht, weil wir es nicht kennen. Wir tun alles, um uns von der Mitte unseres Brustkorbs abzulenken, und beschäftigen uns mit Problemen, die von den Ichs erfunden werden.

Damals, als ich die Wichtel-Geschichte geschrieben habe, musste ich erkennen, dass wir erst die Boykotteure finden müssen, die uns von unserer Herzenergie abhalten. Es sollte nur ein kleiner Abschnitt im Herzbuch werden. Als ich die Ichs als die Hauptblockierer identifizierte, entstand das Buch „Mein Verhältnis zu den Ichs“. Der Fund war größer und schlimmer, als ich je angenommen hatte. Die Ichs halten uns nicht nur von unserer Herzenergie ab, sie benehmen sich auch wie falsche Hexen, die vorspiegeln, die Herzenergie zu sein. All das tun sie aus einem Grund: Sie wollen Macht, sich ausbreiten, uns mit Lug und Trug kontrollieren und manipulieren, um uns zu missbrauchen.

Die Herzenergie ist leise und immer da, wenn wir uns mit ihr vereinen. Sie ist stets untrennbar mit der universellen Weisheit verbunden.