Weihnachten
Mein Weg 33. Teil
Ein tiefverneigtes Danke
Liebevolle Energie
Erinnerungen haben Lücken
Heute ist noch nicht Weihnachten, sondern nur Heiligabend, der 24. Dezember. Das war mir bis gerade noch gar nicht bewusst. Für mich waren immer alle drei Tage Weihnachten.
Ich möchte all meinen Leserinnen und Lesern, hier und energetisch weit über den Computer hinaus, eine liebevolle Zeit wünschen, mit viel Sonne im Herzen und guter Gesundheit. Wir können alle Frieden, Zufriedenheit, Freude, interessante Begegnungen und Geborgenheit gebrauchen, die wir uns wohl nur selbst geben können.
Dieses Jahr habe ich Zeit, über Weihnachten nachzudenken. Mir fehlt mein großer Weihnachtsbaum, den ich seit vielen Jahren schon früh gekauft, aufgestellt und geschmückt habe. Ich liebe nach wie vor die roten Kugeln an den grünen Zweigen. Wie Loriot es so schön sagte: „Früher war mehr Lametta.“ Darauf habe ich verzichtet. Ich vermute, das silberne Lametta sollte Schnee simulieren. In meinem Wohn-, Schlaf-, Ess- und Arbeitszimmer ist kein Platz für einen Baum. Alles hat seine Zeit.
Als ich heute Morgen gegen fünf Uhr aufgewacht bin und meinen Ich-Gedanken freien Lauf ließ, die sofort wieder Ausflüge in die Vergangenheit unternahmen, habe ich sie bewusst in meine Kindheit zur Weihnachtszeit geschoben. Angeblich können sich die Ichs ja soooo gut an die Vergangenheit erinnern. Sie blieben stumm. Das überraschte mich. Tatsächlich bemühte ich mich, mich an den Heiligabend meiner Kindheit zu erinnern. Ich rief ein Bild ins Gedächtnis, in dem ich vor einem kleinen Christbaum stand, der seinen Platz auf einem niedrigen Tischchen gefunden hatte. Stolz trug ich in meinem rechten Arm eine alte Puppe, die neue Kleider bekommen und die meine Mutter genäht hatte. Ich erinnere mich dunkel daran, dass Geschenke ausgepackt wurden, die einen ganz praktischen Charakter hatten. In Loriots Weihnachtsfilm erinnert mich der Großvater, der eine Schallplatte mit Märschen auflegt und dabei „Ufftata, ufftata” singt, an meinen Großvater. Da war auch etwas mit einem Plattenspieler, Märschen und Geschichten vom Ersten Weltkrieg, die mich als kleines Kind nicht interessierten. Ich müsste meine neun Jahre ältere Schwester fragen, wie sie sich an Weihnachten erinnert.
Ach ja, wir sind auf jeden Fall in die Kirche gegangen. Ich erinnere mich nur noch vage daran, dass ich an einem Krippenspiel teilgenommen habe. Da war ich bestimmt ein Schulkind.
Danach gab es ein kärgliches Weihnachtsessen. Es gab Würstchen und Kartoffelsalat. Würstchen mag ich nicht so gerne, höchstens mit viel Senf, und der Kartoffelsalat war gut, allerdings mit rohen Zwiebeln, die immer unangenehme Löcher in meinen Magen bohrten und ätzten.
Später fand ich es schön, unter den Weihnachtsbaum eine Krippe aufzustellen. Meine Gedanken waren dabei allerdings nicht sehr christlich, denn für mich war der Stall warm und kuschelig und ich roch die Tiere, was mir ja nicht fremd ist, da ich auf einem Bauernhof aufgewachsen bin. Ein Kind ist immer etwas ganz Besonderes. Die Heiligen Drei Könige störten meinen Stallfrieden. Irgendwie passten sie nicht in das traute Beisammensein.
Als meine Kinder auf die Welt kamen, fand ich es schön, mich mit ihnen an den Weihnachtsbaum zu setzen. Sie waren für mich das Jesuskind. Nein, sie waren nicht das Jesuskind, sondern genauso besonders und wertvoll wie es. Endlich konnte ich die liebevolle Energie empfinden, die man mit Weihnachten verbindet, und noch viel mehr. Ich durfte erfahren, dass es eine ganz besondere, liebevolle Energie gibt, die das göttliche Universum uns wohl schenkt. Für jedes Kind gibt es eine andere Liebe, und doch sind sie auf derselben Wellenlänge beheimatet. Puh, das ist jetzt sehr künstlich ausgedrückt für ein Empfinden, das weit über alle Grenzen hinausstrahlt.
Bei der Geburt meiner Nichte und meines Neffen hatte ich ein ähnliches Gefühl. Ich war damals zwölf bzw. fünfzehn Jahre alt. Ich durfte sie füttern, wickeln, spazieren fahren und in den Schlaf wiegen. Ich fühlte mich so erwachsen, trug Verantwortung für ein so hilfloses Wesen und liebte sie von ganzem Herzen. Auch heute noch spüre ich dieses intensive Gefühl, das nach außen wohl kitschig wirkt, wenn ich sie und meine erwachsenen Kinder umarme.
Jetzt kann ich mit meiner Enkelin Marie dieses Gefühl wieder bewusst und mit viel psychologischem Wissen spüren. Es ist wieder diese tiefe Liebe, die mit einer großen Energie verbunden ist und die fast nicht in einen Menschen hineinpasst. Es ist ein Gemögtwerden und ein Nach-Hause-Kommen in einer Welt jenseits von Denken und Handeln.
Von dieser Energie spreche ich, wenn ich sage, dass wir lernen dürfen, uns selbst zu mögen, was uns keiner beigebracht hat. Manchmal gelingt es mir sogar. Dann verschmilzt alles zu einem großen Ganzen. Dann sind die Ichs ganz und gar verschwunden und Ulrike ist dort, wo ein großes, altes, neues Wissen existiert. Es ist viel besser als ein Kirchgang zu Weihnachten und lässt sich mit nichts vergleichen.
Später erhielt die Krippe unter dem Weihnachtsbaum eine ganz andere Bedeutung. Mein Sohn hatte in der Schule Religionsunterricht, in dem Lehrer und Schüler sich kritisch mit der Geburt Jesu auseinandersetzten. Es war klar, dass Maria nicht vom Heiligen Geist empfangen hatte. Der arme alte Josef hatte sich ihrer erbarmt und sie geheiratet. Dass die Geburt im Stall stattfand, war damals gar nicht so unüblich. Später kam die Frage auf: Wer hat die Geburt begleitet? Wer und womit wurde die Nabelschnur abgetrennt? Immerhin brauchte Maria keinen Kaiserschnitt, es war keine Sturzgeburt, kein Sternengucker und der Junge hatte auch keine Nabelschnur um den Hals. Je nüchterner die Erklärungen wurden, desto unwahrscheinlicher wurde die ganze Geschichte.
Was geblieben ist, ist, dass sich die Familie immer noch trifft, zusammenrückt, wie es im Stall war, und dass die Geborgenheit wichtig ist.
An dieser Stelle möchte ich mich bei all den Menschen bedanken, die mir in den letzten Monaten Briefe geschrieben und Geschenke gemacht haben. Ulrike ist überwältigt. Ulrike hat Ulrike neu kennengelernt. Ich habe all die Jahre gedacht, dass ich immer nur mit mir, meinen Kindern, der Praxis und dem Lernen beschäftigt war und meine Umwelt gänzlich vernachlässigt habe. Stattdessen wird mir beteuert, wie ich jemandem geholfen habe, wie wichtig ich jemandem bin, wie ich jemandem beigestanden habe, wie ich eine Operation verhindern konnte, weil ich anders als die Ärzte gedacht habe. Kolleginnen, die bei mir angestellt waren, kamen und versicherten mir, dass sie sehr viel bei mir gelernt haben und ich schon in den neunziger Jahren ganzheitlich gedacht und gearbeitet habe. Sie können das Gelernte immer noch bei der Arbeit gut einsetzen und glänzen damit vor ihren Kolleginnen.
Eine Freundin meiner Tochter brachte mir ein von ihren kleinen Kindern gebasteltes Geschenk und einen Brief vorbei, der mich sehr berührte. Sie zählte auf, was ich in den vierundzwanzig Jahren, in denen wir uns kennen, alles für sie getan habe. Sie schrieb, ich hätte Plätzchen auch für sie und ihre Freundinnen gebacken, immer etwas mehr gekocht, weil meine Kinder unverhofft Freundinnen mitgebracht haben, und es habe immer für alle genug gegeben. Sie schrieb auch, ich hätte sie in der Nacht von ihren Partys abgeholt, egal wie spät oder früh es war.
Heute Abend feiern wir mit unserem „Christkind“. Und wir sind dankbar, dass es mir besser geht. Alle Knoten sind zurückgegangen. Das liegt auch an der Freude und Dankbarkeit sowie den vielen guten Wünschen, die ich erfahren habe. Mein vegetatives Nervensystem, mein Immunsystem und mein Hormonsystem können sich nun besser regulieren. Einfach Danke!

Ich möchte den Menschen dort abholen, wo er steht, ihn ein Stück begleiten, damit er selbstständig weitergehen kann.