Kampf oder Stille

Mein Weg 38. Teil

Wer hat Schuld

Krankheit oder Schutz

Den Feind erfunden

„Kampf dem Krebs!“ „Du musst gegen den Krebs kämpfen.“ „Ich habe den Krebs besiegt.“

Für mich bedeutet Kampf Krieg. Zunächst muss ich jemanden bestimmen, gegen den ich kämpfen will. Also brauche ich einen Schuldigen. Gibt es keinen, dann muss ich einen finden.

Gestern hatte ich lieben Besuch von einer früheren Patientin. Als sie von mir und den Tumoren gelesen hatte, dachte sie: „Wie kann Frau Fischer so eine schlimme Krankheit bekommen?”

Bei Krebs denkt man nicht an ein kleines Krabbeltier irgendwo auf einem Sandstrand, das sich tagsüber vor der Sonne schützt, sich in den schneeweißen Sand einbuddelt und bei kühleren Temperaturen wieder herauskommt.

Man denkt an eine schlimme Krankheit und den Tod. Dadurch wird ein Feind geschaffen, der bekämpft werden kann.

Vor Jahren habe ich ein Buch von einem Insider gelesen, der einige wahre Geschichten erzählte, die er nur anonym berichten konnte, da er um sein Leben fürchten müsste, weil er die Wahrheit ausspricht. Er berichtete von einem Mann, der super in seinem Managerberuf war. Man trat an ihn heran mit der Bitte, den Krebs, also die Krankheit, zum Selbstläufer zu machen. Erst bei der Erklärung verstand ich die uralte Regel: Viel Angst machen und ein bisschen Hoffnung geben, dann werden Menschen weich und tun alles, vor allem bezahlen sie viel. Dazu gehören nicht nur Otto Normalverbraucher, sondern auch der Staat und die Krankenkassen. Es geht um Geld und Macht und nicht um den einzelnen Menschen.

Es gibt eine kleine Anzahl von Personen, die nicht nur ihre Hände, sondern auch ihre Säcke und Lastwagen aufhalten, um das viele Geld zu horten, das sie sich von schwachen und kranken Menschen erschleichen.

Das heißt, die „Krankheit“ Krebs muss zum Feind erklärt werden, gegen den man ewig kämpft. Das wiederum bedeutet heftigen Stress, der alles noch verschlimmert. Auf diesem Stresslevel setzen auch die Bestrahlungen und Chemotherapien an. Es geht immer wieder um die Schwingungen, die wir durch unsere Gedanken, Schwüre, alten Muster und Prägungen erzeugen und nach außen senden. Um gesund zu sein, ist es wichtig, jeglichen Stress abzubauen. Präventiv, während eines Prozesses oder als Nachsorge.

Hinzu kommen Parolen wie: „Ich will gesund sein.“ Wann will ich gesund sein? In ein paar Monaten oder in ein paar Jahren? Dem Ich ist das doch ganz egal ob wir gesund sind oder nicht. Hauptsache es kann sich an unserer Energie bereichern. Diese Aussage tangiert die Ichs nur peripher. (Es geht ihnen am Hintern vorbei.)

Wenn wir uns mit unseren Vornamen ansprechen, mit dem sich unser Körper identifiziert und normalerweise angemessen reagieren könnte, wird durch die Aussage „will gesund sein“ ausgehebelt. Sie klingt zwar etwas persönlicher als mit dem Ich, aber „will sein“ lässt immer noch offen, wann das geschieht, und verspricht eine passive Haltung, die darauf wartet, dass es von außen und von irgendjemandem gemacht eintritt.

„Ich will keine Tumore mehr haben.“ Hier haben wir noch eine weitere Komponente. Es ist, als würde ich zu Ihnen sagen: „Denken Sie nicht an einen rosaroten Elefanten.“ Einen rosaroten Elefanten haben Sie sich bis jetzt noch nie vorgestellt. Sie sind bisher noch nicht auf die Idee gekommen, dieses Tier in Rosa zu sehen, da Sie durch Bilder, die Sie sich gemacht haben, weil Sie einen Elefanten in freier Wildbahn, im Zoo oder im Fernsehen gesehen haben, ihn immer in Grautönen vor Augen haben. Es geht um das Bild, das Sie sich gemacht haben.

Mit den Tumoren ist es genauso. Wenn ich mir jeden Tag vorstelle, dass ich die Tumore, die ich fühlen kann und auf CT-Bildern gesehen habe, nicht haben will, dann sehe ich sie erst recht vor mir. Dadurch halte ich sie fest und selbst wenn sie gehen wollten, würden sie bleiben müssen. Es bleibt mir dann nur noch die Behandlung mit Strahlen und Chemotherapie, die die Knoten be-kämpfen, während ich inaktiv bleibe.

Das Gleiche gilt, wenn ich meinen Mitmenschen jeden Tag von den Knoten erzähle und dabei vielleicht auch noch an den Kampf gegen sie denke. Dann habe ich Stress pur. Dann sollte ich wieder an den Artikel denken, in dem eine Ärztin und ein Arzt sehr gut erklärten, dass unser Körper zum Schutz Krebszellen produziert, um Schlimmeres zu vermeiden. Krebs ist also keine Krankheit, sondern ein Schutz, ein Signal: „Hey, verändere mal was an deinen Gewohnheiten und Gedankenmustern!”

Das müssen wir gar nicht nur auf Tumore beziehen, auch Herz-Kreislauf-Krankheiten und Immunkrankheiten haben den gleichen Hintergrund.

Unser Körper ist intelligent. Er schützt uns, indem er uns bei großer Hitze schwitzen lässt, um den Körper zu kühlen, oder indem er an manchen Stellen Muskelblockaden einrichtet, um Gelenke zu schützen. Er bereitet uns Schmerzen, damit wir unser Verhalten ändern.

All diese Beschützermaßnahmen sind am Anfang sinnvoll, allerdings nur für kurze Zeit. Wenn wir bei Hitze unserem Körper keine Flüssigkeit zuführen, werden wir durch den hohen „Schwitzflüssigkeitsverlust“ verdursten und verdorren. Es bringt uns nichts, gegen die Hitze zu kämpfen und sie als unseren Feind anzusehen.

Zwar sind schmerzhafte Muskelblockaden zunächst sinnvoll, weil sie unsere Gelenke schone. Doch wenn sie dauerhaft anhalten, werden im ganzen Körper weitere Muskelgruppen aktiviert, die uns zum Schutz in eine krumme Haltung zwingen. Das kann letztendlich zu Gelenkschäden führen. Genau davor wollte uns unser Organismus anfangs schützen.

Wenn wir die Ursache nicht beheben, bringt es nichts, unseren Körper zum Feind zu erklären und ihn mit Schmerzmitteln oder anderen Medikamenten vollzustopfen.

So ist es auch mit den Krebszellen. Sie sind zunächst keine Gegner, sondern Beschützer, die uns mit fühlbaren Hilferufen signalisieren, dass etwas nicht stimmt. Wenn wir den Stress nicht vermeiden, unseren Alltag nicht verändern und unsere Gedankengänge und festgefahrenen Ansichten nicht umwandeln, dann können wir den Krebs nicht als Feind betrachten. Dann sind wir unser eigener Feind mit all unseren Vermeidungsstrategien und unsinnigen Ich-Gedanken.

Beim Krebs kommt noch eine Komponente hinzu: Er verhält sich sehr menschlich, auf einer Stufe mit unseren Ich-Gedanken oder einem Virus. Was eine Krebszelle möchte, ist „Leben!“ Sie möchte nicht sterben, also bleibt ihr nichts anderes übrig, als zu mutieren. Denn sie fühlt sich in einem „ich-denkenden“ Menschen sehr wohl. Durch die Ichs wird der Krebs unterstützt. So ist es auch mit den Viren. Sie schwingen auf der gleichen Welle.

Während der Pandemie habe ich mich in das erste Corona-Virus eingefühlt (siehe Buch: Wandeltreue). Ich stand für das Virus und es sagte zu meinem Erstaunen: „Gell, wir sind Freunde.“

Eine Klientin brachte mich darauf, dass ich dem Virus ja liebevoll und neutral begegnet bin und es nicht als Feind betrachtet habe. Ich solle eine Kampfhaltung einnehmen, wenn ich mich in ihn hineinfühle. Als ich das tat, lernte ich den Corona-Virus erst richtig kennen und erlebte, mit wie viel Kraft, Kampfgeist und Zorn er mich regelrecht umgehauen hat. Da wurde mir wieder einmal bewusst, dass es oft an unserer Einstellung liegt, wie unsere Umwelt – auch die Körperwelt – uns begegnet.

Ein altes Sprichwort sagt: „In der Ruhe liegt die Kraft.“ Wenn wir still werden und zuhören öffnet sich uns eine neue Welt.